Christine Wolter
Geografia sentimentale
Gedichte.
Mit Zeichnungen von Dieter Goltzsche und einem Nachwort von Günter Kunert.
64 Seiten, engl. Broschur, Fadenheftung, 14,80 Euro.
ISBN 978 3 93110916 5
Wenn Sie den Titel des Buches nicht deutsch lesen, als „sentimental“ (was auch Selbstironie sein könnte), sondern italienisch „sentimentale“, dann hören Sie, was gemeint ist: eine Geographie der Empfindungen, eine Erkundung jener Bewegungen der Seele (des Herzens?), die stärkend, beglückend, schmerzend durchs Leben führen — und darüber hinaus.
Günter Kunert schreibt im Vorwort: Niemals tränenselig, selbst da nicht, wo Tränen wörtlich auftauchen; manchmal ein Anflug von Ironie, keine großen Gesten, kein Pathos, keine Verfluchung der erbarmungslos verrinnenden Zeit, keine zornige Verdammung des Unabänderlichen. Das Unsagbare Wort werden lassen kann niemand, man kann es nur ahnbar machen. Christine Wolter sagt es in einer Art Resümee so:
Rede zusammengescharrt / Hügel geschichtet aus Silben / Bündel gesammelt aus Klang / Dämme gebaut aus Wortzeug / mit Lücken und Luken nach innen und außen.
Christine Wolter, geboren am 30. März 1939 in Königsberg, aufgewachsen seit 1950 in Berlin Ost, lebt seit 1978 in Mailand und jetzt auch wieder in Berlin. Erzählerin, Übersetzerin (u. a. Leonardo Sciascia, Alberto Savinio) und Herausgeberin (u. a. Lyrik von Giuseppe Ungaretti). Mitarbeiterin der Neuen Zürcher Zeitung. Eigene literarische Arbeiten seit den 1970er Jahren. Zum DDR-„Kultbuch“ wurde der Roman Die Alleinseglerin (1982 bei Aufbau) — vordergründig (und so von der DEFA verfilmt) eine ironische Fabel aus dem DDR-Alltag, vielmehr jedoch ein Bekenntnis gegen jeden Dogmatismus.