Vigeé, Claude - BischweilerClaude Vigée
Bischweiler oder Der große Lebold
Jüdische Komödie.
Aus dem Französischen von Lieselotte Kittenberger.
Reihe Bücher des 9. November, siebter und achter Band.
378 und 304 Seiten, gebunden (Pappbände mit Fadenheftung und Schutzumschlag) im Schuber, zus. 34,00 Euro.
ISBN 978 3 93110910 3

Die Geschichte einer jüdischen Kindheit und Jugend im Elsaß der zwanziger und dreißiger Jahre; ein heiter-finsteres und oft groteskes Sittengemälde des (jüdischen) Lebens in der Provinz. Die Kleinstadt Bischweiler in der oberrheinischen Tiefebene ist eine Idylle mit doppeltem Boden: vertraute, aber immer unsichere und widersprüchliche Heimat einer jahrhundertealten jüdischen Kultur in einem umstrittenen Grenzland, „Paradies und Hölle“. Der lebensprühende Großvater Leopold – eine Gestalt von Balzac’scher Fülle und Tragik – verkörpert die „jüdische Komödie“ in den kleinbürgerlichen Kulissen, zwischen Tradition und Assimilation, vor der Shoa. Viel später, in Jerusalem, rekonstruiert und beschwört der Enkel, jetzt selbst ein alter Mann, dieses „Leben auf dem Mond“.

Mein einstiges Bischweiler ist freilich ein Mond für sich. Fabrikruinen aus roten Ziegeln, strenge Häuser – schmucklos, griesgrämig, trist, fast ohne jedes Leben –, ein Labyrinth rechtwinkliger Straßen, düstere Fluchten ewig geschlossener Fensterläden. Die Irrenanstalten, die Altenheime, das Waisenhaus, das graue kleine Elend der Arbeiter … aber immer noch steigen paradiesische Bilder aus den verbrannten Obstgärten der Kindheit. Der einzige bewohnbare Ort, der dieses Paradies und diese Hölle bisweilen versöhnt, ist der privilegierte Ort des literarischen Erinnerns.

Claude Vigée, am 3. Januar 1921 geboren in Bischwiller, Unterelsass. Vigée stammt aus einer im Elsass altansässigen jüdischen Familie. 1940 floh er vor den Judenverfolgungen und schloss sich der Résistance an, bis er 1941 in die USA weiterflüchten musste. Studium an der Brandeis University. Danach Dozent für französische Literatur an der Brandeis. 1960 ging er nach Israel und erhielt eine Professur für französische Literatur an der Universität in Jerusalem, die er bis 1983 innehatte. 2001 ging er nach Frankreich zurück. 1977 erhielt er den Jacob-Burckhardt-Preis, 1984 war er Hebelpreisträger des Landes Baden-Württemberg, 2002 erhielt er den Würth Preis für europäische Literatur und 2003 den Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis der Stadt Alzey.