Hessel, Franz - Ein Flaneur in BerlinFranz Hessel
Ein Flaneur in Berlin
Neuausgabe von Spazieren in Berlin, 1929.
Hg. und mit einem Nachwort von Peter Moses-Krause.
Mit Photographien von Friedrich Seidenstücker.
280 Seiten, engl. Broschur, Fadenheftung, 19,00 Euro.
ISBN 978 3 93110995 0

Um den „ersten Blick“, den Blick seiner Kindheit auf die Stadt, ihre Geschichte, ihre Geheimnisse, ihren Alltag wiederzugewinnen, schlüpfte Hessel in die Rolle des Touristen, des „Fremden“ und verdächtigen Nicht-Dazugehörenden, wanderte durch den Wedding und durchs Zeitungsviertel, durch Charlottenburg, durch den Osten der Stadt, durch Kreuzberg, besuchte das Schloss, den Zoo, Kaschemmen, Nachtbars, den Schlachthof, die Renommier-Boulevards — so „eröffnet sich ihm Berlin als Landschaft, umschließt ihn als Stube“, schrieb sein Freund Walter Benjamin über dieses „Bilderbuch in Worten“.

Flanieren ist eine Art Lektüre der Straße, wobei Menschengesichter, Auslagen, Schaufenster, Café-Terrassen, Bahnen, Autos, Bäume zu lauter gleichberechtigten Buchstaben werden, die zusammen Worte, Sätze und Seiten eines immer neuen Buches ergeben. …

Franz Hessel, geboren am 21. November 1880 in Stettin, gestorben am 6. Januar 1941 im Exil in Sanary-sur-Mer.
Die geistigen Lebensstationen des jüdisch-deutschen Feuilletonisten (wie er sich selbst bezeichnete): München, Paris, Berlin.
Bekannt wurde er im Berlin der zwanziger Jahre als (von Tucholsky bewunderter) Erzähler, durch seine Proust- und Balzac-Übersetzungen und vor allem durch Spazieren in Berlin (1929), in dem Walter Benjamin „die Wiederkehr des Flaneurs“ in der deutschen Literatur sah.
1933 erhielt Hessel Schreibverbot, emigrierte 1938 nach Frankreich, wurde bei Kriegsbeginn im Lager Les Milles interniert (und starb an den Folgen).
Alfred Polgar schrieb ihm 1941 im New Yorker Aufbau den Nachruf: „Er war eine reine Seele … und schrieb reines Deutsch.“